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Lageplan Turbinenhaus
im Fabrikmuseum


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Fabrikmuseum - Turbinenhaus

Turbinenhaus heute

von Klemens Manemann

Das Turbinenhaus der ehemaligen "Nordwolle" stellt einen wesentlichen Faktor des Delmenhorster Farbrikmuseums dar. Für einen Rundgang durch das Turbinenhaus ist ein Lageplan hilfreich, auf dem man die Position der verschiedenen technischen Einrichtungen ausmachen kann. Es sind:

  1. Das Turbinenhaus

  2. Treppenaufgang

  3. Der ältere Turbogenerator III

  4. Der neuere Turbogenerator I

  5. Notstromaggregat

  6. Schaltpult

  7. Transformator

  8. Schaltwand

  9. Dampfverteilung



Turbinenhaus aussen grosses Bild, Achtung: 74 KB


Turbinenhaus innen   zum Lageplan               grosses Bild, Achtung: 71 KB

Turbinenhaus

Das 1902 von Heinrich Deetjen erbaute Turbinenhaus stellte in seiner Funktion der Energieerzeugung und -verteilung das Herz der Fabrik dar. Sein äußeres Aussehen mit Rundbogenfenstern zu beiden Seiten des Treppenaufgangs und achtblättriger Rosette oberhalb des Einganges gaben ihm den Namen Kathedrale der Arbeit.

Beim Betreten des Turbinenhauses durch den Haupteingang blickt man zuerst auf eine große, schwarze Dampfturbine. Daran anschließend sieht man weitere Maschinen, Schaltpulte und -tafeln und an zwei Wänden ein Labyrinth von Rohrleitungen. All dieses füllt den großen Raum jedoch nicht aus.

Ursprünglich stand in diesem Raum bis zum Jahr 1929 eine riesige Dampfmaschine mit 2 Zylindern, die mit einer Leistung von etwa 2500 PS über ein gemeinsames Schwungrad, Seilgang und Transmission die Produktionsmaschinen antrieb. Ein Modell dazu finden Sie in einem Nachbarraum. Zuvor diente seit 1884 das heutige Stadtmuseum der Energiegewinnung. Dort standen die ersten kleineren Dampfmaschinen.

Bedingt durch die Elektrifizierung des Betriebes wurde die Dampfmaschine überflüssig. Ab 1914 bezog die Wolle über eine Hochspannungsleitung Strom aus Bremen-Farge. Zur Produktion von Eigenstrom wurde 1935 der erste Turbogenerator (= Turbine mit Generator) in Betrieb genommen.





alter Turbogenerator zum Lageplan              grosses Bild, Achtung: 69 KB

Der ältere Turbogenerator III

Bei der Turbine handelt es sich um eine AEG Hochdruck/Niederdruck-Kondensationsturbine (Curtisturbine) mit Anzapfregulierung (Baujahr 1921). Sie stammt aus dem Zweigwerk des Nordwollekonzerns in Mühlhausen/Thüringen. Sie war bis zur Betriebsschließung im Jahr 1981 in Betrieb.

Der Generator der AEG, Baujahr 1913, wurde 1935 von der Wärmetechnischen Gesellschaft in Hamburg gebraucht gekauft und in das Delmenhorster Werk gebracht. Damit begann die Eigenstromversorgung der Nordwolle.





neuer Turbogenerator zum Lageplan          grosses Bild, Achtung: 66 KB

Der neuere Turbogenerator I

Bedingt durch den steigenden Energiebedarf wurde 1954 die zweite Turbine eigens für die Nordwolle von der AEG in Berlin gebaut und nach Delmenhorst gebracht. Sie ist zwar um ca. 40% kleiner, aber leistungsfähiger als die große Turbine.

Dort, wo sich der Holzbretterboden zwischen dem zweiten Turbogenerator und dem Notstromaggregat befindet, sollte ursprünglich ein dritter Turbogenerator aufgestellt werden. Die Planungen dafür lagen vor, wurden jedoch nie realisiert. Vielmehr wurde ab den 1970er Jahren immer mehr Strom von den Energieversorgungsunternehmen Weser-Ems (EWE) bezogen.

Dem Turbogenerator I wurde der Frischdampf mit einem Druck von 35 atü zugeführt. 23 atü davon wurden verbraucht, um den Generator anzutreiben. Der Dampf mit den verbleibenden 12 atü Druck wurde dem älteren Turbogenerator III zugeführt.




Turbine geöffnet zum Lageplan                   grosses Bild, Achtung: 83 KB

Ein Blick in die geöffnete Turbine

Die Turbine des zweiten Turbogenerators ist geöffnet. Im Inneren sind 3 Kammern zu entdecken, in denen sich Schaufelräder befinden, die alle auf einer gemeinsamen Welle fest angebracht sind.

Sehr heißer, hochgespannter Dampf strömt mit hoher Geschwindigkeit auf die Schaufelräder und versetzt diese in eine schnelle Drehbewegung. Mit den Schaufelrädern dreht sich auch die Welle, in vollem Betrieb 6400 mal in der Minute.

Hat der Dampf die erste Kammer (Hochdruckbereich) passiert, wird er in die zweite - in den Mitteldruckbereich - und danach in die dritte Kammer, den Niederdruckbereich, geleitet. Auf diese Weise wird die Energie des Dampfes am Besten genutzt.

Der Generator ist über ein Getriebe mit der Turbine gekoppelt. Das Getriebe setzt die Drehzahl der Turbine von 6400 U/Min auf 1500 U/Min herunter. Im Generator wird die Drehbewegung nach dem Prinzip des Dynamos in elektrische Energie umgewandelt.




Notstromaggregat zum Lageplan               grosses Bild, Achtung: 61 KB

Das Notstromaggregat

Das Notstromaggregat, ein Dieselmotor mit Generator, wurde 1939 aufgebaut und diente mit seiner Leistung von 50 kW hauptsächlich dem Betrieb der Notbeleuchtung in den Produktionshallen. Bei Stromausfall wurde er auch eingesetzt, um die zum Anfahren der Turbogeneratoren erforderliche Energie bereitzustellen.




Schaltwand und Schaltpult zum Lageplan               grosses Bild, Achtung: 61 KB

Schaltwand und Schaltpult

Die beiden Turbinen waren nie in der Lage, den gesamten Strombedarf der Wolle zu decken. Sie schafften immerhin etwa 50 %, der Rest wurde vom Kraftwerk Farge in Bremen-Nord bezogen. Die Hochspannungsleitung mit 20 000 V kam in der Haupt-Trafostation Nord an. Die Spannung wurde auf 6000V umgewandelt und in eine Ringleitung auf dem Gelände der Wolle zu weiteren Trafostationen geführt. Hier erfolgte die Transformation auf 380V, die von den Antriebsmotoren der Produktionsmaschinen benötigt wurden. Die Trafostation Süd befand sich im dreigeschossigen Anbau des Turbinenhauses. Die geöffnete Tür gibt den Blick auf einen Transformator frei

Die große Schaltwand vor dem Transformatorraum und das Schaltpult in der Mitte der Turbinenhalle dienten zwei wesentlichen Aufgaben. Die Turbinen mussten angefahren, überwacht und in z.B. der Drehzahl genau geregelt und der erzeugte Strom musste in Spannung, Frequenz und Phasenlage auf den angelieferten Fremdstrom synchronisiert werden, damit er in die 6000 V Ringleitung eingespeist werden konnte.

Durch die im Untergeschoss des Turbinenhauses gelegene Marmor-Schaltwand wurde der Strom zu den einzelnen Abteilungen der Fabrik geschaltet.




Dampfverteilung zum Lageplan               grosses Bild, Achtung: 71 KB

Dampfverteilung

Dampfmaschinen waren die Voraussetzung für das Entstehen von Großbetrieben. Der benötigte Dampf wurde auf dem Wollegelände in zwei Kesselhäusern gewonnen.

Die Dampfverteiler, die man heute an der Nord- und Westwand des Turbinenhauses sieht, entsprechen dem bis zur Betriebsschließung 1981 genutzten Zustand. Das verwirrende Netz von Rohrleitungen besteht aus verschiedenen Dampfzu- und Dampfableitungen, 3 Verteilern, Druckminderern und Sicherheitsventilen. Von hier wurde der Dampf den beiden Turbinen, der Dampfpumpe in der Wasserstation, den Heizungsanlagen sowie anderen Betriebsbereichen zugeleitet.

Mit der 1970 erfolgten Umstellung auf gasbefeuerte Dampfkessel reichte der Dampfdruck zum Betreiben der leistungsstarken kleinen Turbine nicht mehr aus. Folglich hatte auch der dazugehörende 42 atü-Verteiler keine Funktion mehr und die Frischdampfzuleitungen wurden entfernt.

Die Eigenstromversorgung kam somit fast gänzlich zum Erliegen. Mit der älteren großen Turbine konnte jetzt nur noch das äußerst kostspielige Überschreiten von Lastspitzen beim Strombezug aus dem Verbundnetz verhindert werden.

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