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Bello 1953

von Ute Reiners-Zenses

(Layout: Klemens Manemann)


"Bello" 1953, geschmückt an ihrem 40.Geburtstag

Die Werkslokomotive wurde 1913 angeschafft und von den Arbeitern der NW&K bald wegen ihres hellenden Pfeiftons "Bello" genannt. Bis dahin wurde das Rangieren durch zwei kräftige Pferde ausgeführt. 

Aufgrund der teilweisen Höherlegung der Bahnstrecke Bremen-Oldenburg musste das Zuführungsgleis zur NWK aufgehoben und eine neue Zuführung über die ehemalige Hasberger Straße geschaffen werden. Die hierdurch bedingte Verlängerung des Anschlussgleises veranlasste die Geschäftsleitung der NW&K 1913 zur Anschaffung einer Dampfspeicherlokomotive. Aus Sicherheitsgründen haben Lokomotiven diesen Typs keine eigene Feuerung zur Dampferzeugung, sondern werden aus einer stationären Dampferzeugungsanlage gefüllt. Wegen ihres begrenzten Aktionsradius beschränkt sich ihr Einsatz auf interne Werkbahnen der chemischen und der Verarbeitungsindustrie, die Dampf zur Verfügung haben. So wurde auch "Bello" mit Dampf aus dem Kesselhaus betrieben.

Morgens um 6 Uhr wurde die Lokomotive am Kesselhaus mit Dampf und heißem Wasser aufgefüllt und je nach betrieblicher Beanspruchung (in der Regel nach 4 bis 6-stündigem Einsatz) manchmal auch ein zweites Mal am Tag nachgefüllt. Nicht verbrauchter Dampf wurde abends abgelassen. Der Vorteil war, dass kein Heizer benötigt wurde. Nach Bedarf zog oder schob sie die Waggons mit Rohwolle, Kohle, Bauhölzern und anderem Material zu den verschiedenen Abteilungen der Fabrik und der Delespa. Dank der mit dem Ausbau der Gleisanlagen eingebauten hölzernen Drehscheiben an wichtigen Kreuzungspunkten konnte die Lokomotive in verschiedene Richtungen gedreht werden.

58 Jahre lang tat "Bello" mühelos den Dienst. Als die Fabrik im Okt. 1971 ihren Kesselbetrieb von Kohle auf Erdgas umstellte, kam das Aus für "Bello". Der Lokomotivverkehr wurde von einem schienenfähigen Unimog übernommen und die Lok aufs Abstellgleis geschoben.

Doch damit ist Bellos Geschichte noch nicht zu Ende. Fast fünfeinhalb Jahre stand die ausrangierte Lok nun am Hasporter Damm und rostete vor sich hin, bis sie im Dezember 1976 von den Harpstedter Eisenbahnfreunden (DHEF) von der VKS erworben und so vor dem Verschrotten gerettet wurde.
Von den Eisenbahnfreunden wurde "Bello" liebevoll in der Freizeit renoviert, in der Hoffnung, dass die Stadt die Lok als Denkmal in Bahnhofsnähe oder auf dem Wollegelände aufstellen würde. Als das scheiterte, wurde sie schweren Herzens 1981 für 5000 DM an das in der Entstehung befindliche Museum für Verkehr und Technik in Berlin verkauft.

Sie wurde nie abgeholt. Mehrere Jahre stand sie wieder in ihrem Exil am Hasporter Damm und begann erneut zu rosten. Mit Planung des Fabrikmuseums auf dem Wollegelände erwachte das Interesse an der Lok neu und die Stadt begann mit Verhandlungen über einen Rückkauf. Nach jahrelangem Gerangel mit dem Museum in Berlin konnte die Stadt Bello im Alter von 74 Jahren angerostet für 10.000 DM zurückkaufen und die Lok kehrte aufs Museumsgleis der Wolle zurück.

Ihren letzen Platz fand sie in neuem Glanz auf dem Gleisstrang am Eingang zum Fabrikmuseum.

Reste der Gleisanlage und das erhaltene Fundament einer Drehscheibe vor der ursprünglichen Remise der Lokomotive zeugen noch heute vom werkseigenen Verkehrssystem auf dem Gelände der NW&K.

Technische Daten

Hersteller  Henschel
Typ  feuerlose Heißdampflok
Fabriknummer  12469
Kolbenhub  400 mm
Treibraddurchmesser  870 mm
Spurweite  1435 mm
Gesamtradstand  2510 mm
Leistung  550 PS
Höchstgeschwindigkeit  25 km/h
Dampfüberdruck  12,5 kg/qcm
Gesamtlänge  8700 mm
Leergewicht  21,2 t
Dienstgewicht  30,8 t

 

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