Diese Seite ohne Frames

Kalihaus, Fettfabrik und Delespa

von Marianne Huismann

(Layout: Klemens Manemann)

Bereits mit Gründung der NW&K war vorgesehen, Abfallprodukte, die besonders beim Waschen der Rohwolle anfallen, weiter zu verarbeiten. Zu diesem Zweck befand sich früher neben der Wollwäscherei das Kalihaus. In der Wäscherei wurde die Rohwolle bis zur völligen Entfettung gewaschen. Die Wollfette, auch Wollschweiß genannt, verblieben im Waschwasser. Im Kalihaus wurde das Wollwaschwasser eingedampft, um die Fettsubstanzen und die in ihnen enthaltenen Kalium-Verbindungen zu nutzen. Durch anschließendes Verkalken und Auslaugen der sirupartigen Masse entstanden Rückstände, die zu Pottasche verarbeitet und verkauft werden konnten.
Eine Fettfabrik gab es bereits seit 1886 in unmittelbarer Nähe. Hier wurde aus dem Waschwasser das Wollfett gewonnen. Mit Ausweitung der Fabrikanlagen und zunehmender Spezialisierung bei der Verarbeitung der Abfallstoffe für medizinische und technische Zwecke, errichtete die Firmenleitung 1896 eine "chemische Abteilung" an der Hasberger Straße. Die Wollwaschabwässer flossen in oberirdisch verlegten Rohrleitungen dorthin. Die Produkte der chem. Abteilung waren vielfältig, es wurden Rohwollfette ,Wollfettsäuren, Neutralfette und Lanolin hergestellt.

Rohwollfette ließen sich als Schmierfette, Füll- und Gleitfette verwenden.
Die Wollfettsäuren enthalten viele freie Fettsäuren. Sie eignen sich besonders zur Herstellung billiger Seifen, sowie zum Einfetten von Zahnrädern.
Neutralwollfette lassen sich gut mit anderen Ölen und Fetten mischen, sie verharzen nicht und werden nicht ranzig. Aufgrund dieser Eigenschaften gelangen sie hauptsächlich als Lederfette, Abdichtungsmittel und Antriebsfette in den Handel.
Das Lanolin (wasserhaltiges, gereinigtes Wollfett) eignet sich wegen seiner hautfreundlichen Eigenschaften besonders zur Herstellung von Überfettungsseifen sowie kosmetischer und pharmazeutischer Präparate.

1905 erfolgte eine nochmalige Betriebserweiterung. Die NW&K übernahm die Bremer Feinseifen- und Parfümfabrik Hoepner&Sohn und baute ab 1907 die chemische Abteilung als Tochtergesellschaft des Konzerns weiter aus. Die Produktpalette erweiterte sich erneut, es wurden Feinseifen, Kernseifen, Industrieseifen, Waschpulver, Parfümerien und kosmetische Artikel wie Zahnpasta etc. hergestellt.

Für die Seifenherstellung wurden tierische- und pflanzliche Fette verarbeitet. In der Seifensiederei wurden die Fette geschmolzen und mit Natronlauge vermischt. Sobald die Verseifung eintrat, ruhte die Mischung, damit sich die Unterlauge absetzen konnte. Die dann abgelassene Unterlauge konnte zu Glyzerinseife weiterverarbeitet werden. Den im Kessel verblieben Seifenbrei kochte man mehrfach mit Salzwasser auf und ließ dabei jeweils die Unterlauge abfließen. Nach diesem Vorgang wurde die flüssige Seife abgepumpt und gekühlt. Danach konnte sie zu verschiedenen Seifenprodukten weiterverarbeitet werden.
Weil bereits für die Seifenproduktion Duftstoffe benötigt wurden, war es konsequent, außerdem vielfältige Parfümsorten in den Verkauf zu bringen. Die Firma passte sich den gesteigerten Konsumwünschen an und verkaufte Parfüms mit wohlklingenden Namen, wie z.B. "Kiss me quick".

Den meisten Delmenhorstern ist die Seifen- und Parfümfabrik der Nordwolle unter dem Firmennamen "Delespa" in Erinnerung geblieben. Diese Namensänderung erfolgte 1925 und stand als Kürzel für die "Delmenhorster Seifen- und Parfüm-Werke". Die "Delespa"-Werke gibt es inzwischen nicht mehr, auf dem Firmengelände soll ein Wohn- und Kleingewerbegebiet entstehen.

homepage Arbeitskreis Fabrikmuseum (Klemens Manemann)
Fragen, Anregungen ? Dann bitte
 Mail an manemann@fabrikmuseum.de