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>Delespa<  unsere Seifen- und Parfümfabrik

aus der Heftreihe "Schaffendes Delmenhorst und die Welt", Heft 5, 1955

(Layout: Klemens Manemann)

 

>Delespa<

unsere Seifen- und Parfümfabrik


Das Werk ist eine Tochtergesellschaft der Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei AG. Das Stammhaus wurde 1884 unter der Firma Hoepner & Sohn in Hannover gegründet.

1907 wurde das Unternehmen nach Bremen verlegt und in eine GmbH umgewandelt. 1921 siedelte es nach Delmenhorst über. Im Jahre 1925 nahm die Firma den Namen Delespa-Werke GmbH an. Das Wort "Delespa" ist die Abkürzung von "Delmenhorster Seifen- und Parfümerie-Fabrik".

Hergestellt werden Feinseifen, Kernseifen, Industrieseifen, Waschpulver, Parfümerien und kosmetische Artikel (Darüber hinaus wurde früher aus dem in der Wollwäscherei abfallenden Wollfett das Lanolin gewonnen, das den Grundstoff für Salben aller Art bildet).

Im Juli 1942 wurde das Werk durch Feindeinwirkung schwer beschädigt und verlor dabei rund 80 % seiner Leistungsfähigkeit (Kapazität). In den Nachkriegsjahren gelang es der Betriebsleitung, diese Schäden ganz zu beseitigen, so dass der Betrieb jetzt - inzwischen mit modernen Maschinen ausgerüstet - wieder voll arbeitet.

Herstellung der Seife

Der Vertreter kommt

Eines Tages betritt ein Handelsvertreter die Seifenfabrik Delespa-Werke GmbH, Delmenhorst, Ecke Hasberger und Friesenstraße. Er kommt von einem Importeur aus Hamburg und führt in einem Musterkoffer Proben von verschiedenen Fetten mit sich, die er zum Verkauf anbietet. Da gibt es pflanzliche Fette wie Kokosfett, Palmöl, Leinöl, Erdnussöl u. a. und tierische Fette wie Rindertalg, Schweinefett u. a., so wie sie z. Zt. auf dem Weltmarkt zu haben sind. Gleich an Ort und Stelle wird im Laboratorium geprüft, wieweit sich die angebotenen Fette zur Verseifung eignen. Nach dem Ergebnis der Prüfung wird die Bestellung aufgegeben.


Die Fette rollen an

Auf den Werkshof rollt ein Lastauto. Es kommt von dem Hamburger Importeur und bringt Fässer mit dem bestellten Fett. Dann fährt eine Werkslokomotive ein. Sie zieht Kesselwagen, die direkt aus einem Überseehafen wie Hamburg, Bremen, Rotterdam u. a. kommen und noch plombiert sind.

Was aber wollen die Zollbeamten? Kein Faß, kein Kesselwagen darf geöffnet und geleert werden, ehe sie nicht von dem Zollbeamten freigegeben sind. Die Zollbegleitscheine werden geprüft, von jeder Ladung wird eine Probe entnommen, die dem Zolltechnischen Institut in Hamburg zugeleitet wird. Nun erst darf das Fett entladen werden.
Mit Heißluft wird es flüssig gemacht, so daß es in einen tieferliegenden Behälter abfließen kann. Von hier wird es in große Tanks gepumpt, in denen es bei der erforderlichen Temperatur flüssig gehalten wird. Dort wartet es auf seine weitere Verarbeitung.

Die Seife wird gekocht

Wir treten in einen großen Raum, die Siederei. In großen Kesseln siedet eine bräunlich-grüne Flüssigkeit. Achtung, es spritzt! Über den offenen Kesseln befindet sich eine Anzahl Leitungen mit Abflusshähnen. Sie werden vom Siedemeister bedient. Aus der einen Leitung ergießt sich eine fettige Brühe, das sind die flüssigen Fette, die aus den Tanks hierher geleitet werden. Aus einer anderen Leitung fließt die Natronlauge. Ist der Kessel gefüllt, bringt eine im Kessel angebrachte Heizschlange das ganze Gemisch zum Sieden.

Die grossen TanksDer Meister wirft je nach Art der zur Verarbeitung zugelassenen Fette ein Stück Harz hinein, damit sich die Masse inniger verbindet.

Eine halbe bis eine Stunde kocht der Brei, die Verseifung ist eingetreten. Nach einigen Stunden der Ruhe setzt sich in der unteren Hälfte des Kessels eine schmutzige Lösung, die sogenannte Unterlauge, ab. Sie wird abgelassen. Aus ihr gewinnt man als Nebenerzeugnis das Glyzerin. (Eine Übersichtstafel über den Vorgang der Seifenherstellung befindet sich in der Lehrmittelsammlung der Parkschule). Die im Kessel gebliebene Seifenmasse wird mit Salzwasser vermengt und zum zweiten Male aufgekocht. Nach dem; Kochen fließt das schmutzige Wasser abermals als Unterlauge ab. Nun lässt sich daraus aber kein Glyzerin mehr gewinnen. Dieser Vorgang wird noch ein drittes Mal wiederholt. Dann lässt man die Seife abkühlen, bis sie durch große Pumpen in Rohrleitungen gehoben wird.

Im Kessel bleibt ein Rest, der Seifenkern, zurück. Er wird nochmals aufgekocht und bringt noch einen Teil brauchbarer Seifenmasse. Der übrige Seifenkern verbleibt im Kessel und wird mit der nächsten Füllung wieder aufgekocht. (Über den chemischen Vorgang beim Waschen kannst du in jedem Buch für Naturlehre nachlesen.)

Kernseife wird hergestellt

Aus der Siederei gelangt die flüssige Seife durch Leitungsrohre in die Kühlpresse. In kurzer Zeit ist die Seife zu Siederei großen Platten erstarrt. Auf kleinen Wagen werden sie zur Schneidemaschine gefahren. Feine Stahlbänder schneiden die Platten erst längs, dann quer in. handliche Stücke. (Siehe Anschauungsmaterial in der Lehrmittelsammlung.)

In einem Trockenapparat werden sie oberflächlich getrocknet. Von hier werden sie zur Stanzmaschine gebracht. Flinke Hände bedienen diese halbmechanische Maschine. Das Seifenstück wird in eine Vertiefung gelegt, der Fuß bedient einen Hebel, und schon saust von oben ein Stempel herab und formt das Seifenstück. (Die Arbeit ist nicht ungefährlich. Die Maschine hat eine Schutzvorrichtung. Über Arbeitsschutz findest du die näheren Ausführungen im Abschnitt "Arbeitsschutz".)

Die Packerin schichtet die fertige Kernseife geschwind in Kartons, die ein Laufbursche in den Versandraum fährt.

Toilettenseife wird hergestellt

Zurück zum Siederaum! Von dort läuft die Seifenmasse auf tiefgekühlte Walzen. Ein Schabmesser zerhackt die hauchdünne Schicht in kleine Flocken. Diese wandern auf Fließbändern so lange im Trockenschrank umher, bis ihnen genügend Wasser entzogen ist. Danach enthalten die Flocken den notwendigen Prozentsatz an Fett, wie er für Toilettenseife erforderlich ist (80 %). Diese Schnitzel werden in großen Seifensilos gesammelt. Je 50 kg davon werden in eine Wanne geschüttet. Die benötigten Färb- und Duftstoffe werden dazugetan. Dann wird alles in die Pilliermaschine geschaufelt, wo die Masse aufs beste durcheinandergemischt und verknetet wird. Zwischen Walzen zusammengepresst und nochmals in längliche Schnitzel zerhackt, wandert sie in die Strangpresse. Als rundes Band tritt die Seife wieder heraus und wird durch eine Schneidemaschine in gleichmäßige Stücke zerteilt. Die Schnittstücke kommen unter Stanzmaschinen und erhalten die verschiedenartigsten Formen und Prägungen.

Die Seife wird verpackt

In dem geräumigen Packraum sitzen Frauen an langen Tischen und verpacken mit großer Fingerfertigkeit jede Seifensorte anders. Bei dem schweren Konkurrenzkampf kommt es immer mehr darauf an, die Aufmachung so ansprechend wie möglich zu bieten. Bei der Exportseife richtet man sich in Form und Farbe und Verpackung ganz nach dem Geschmack der Bezugsländer. Da gibt es Kinderköpfe, Hände, Früchte, Osterhasen ... die Zahl mag in die Tausende gehen. Manche Stücke werden noch kunstvoll bemalt, ehe sie den Weg in die Verpackung antreten. (Siehe Anschauungsstücke!) Im Versandraum werden die Kästen versandfertig gemacht und Auf die Reise geschickt. (Wohin sie reisen, kannst du unter "Export" finden.)

Kernseifenplatten

Weitere Herstellungen

Die Seifenfabrik fertigt außer Kern- und Toilettenseife noch eine Reihe weiterer Produkte an:

  1. Textil- und Wollfettseife
    Die NWK bezieht ihre ganze Seife zur Wollwäsche bei der Delespa. Das sind im Monat mehr als 10 000 kg. Diese Seife enthält eine Menge Tran, der sich zum Waschen der Wolle besonders gut eignet. (Siehe Anschauungsmaterial.)
  2. Glyzerinseife
    Das ist eine medizinische Seife; sie enthält in hohem Maße Glyzerin.
  3. Seifenflocken
    werden in einem besonderen Verfahren hergestellt.
  4. Seifenpulver
    hat einen längeren Herstellungsweg. Das Fett aus der Siederei wird mit chemischen Stoffen wie Wasserglas und Soda u. a. einige Stunden gemischt. Diese Masse wird abgelassen und am Boden ausgebreitet. Nach einiger Zeit wird umgebrochen. Nach gänzlicher Trocknung werden die Brocken in einer Mühle zu feinem Staub verarbeitet. Das Seifenpulver ist fertig.
  5. Rasierseife
    enthält viel Glyzerin.
  6. Delespa-Hautcreme (Kosmetische Artikel)
    wird zur Zeit wenig verlangt, da heute nur sehr bekannte Markenartikel Absatz finden.
  7. Zahnpasta "Eldorado" (Kosmetische Artikel)
    (sihe Anschauungsmittel)

Ein Trockenschrank

Glyzerin

Alle Fette enthalten Glyzerin. Dies ist eine farblose, sirupartige Flüssigkeit, die ungeheuer vielfältig verwandt wird.

Glyzerin braucht man zur Herstellung von Sprengstoffen (Nitroglyzerin), zur Herstellung von Farben, von Tinte, von Kitt. Es ist ein Mittel gegen spröde Haut, man süßt auch Liköre damit.

Auch das Glyzerinpech, der Rückstand bei der Destillation, wird noch zur Herstellung von Schuhwichse und Isolierband verwertet.

So ist Glyzerin ein wertvoller Rohstoff. Er wird in der Delespa nicht nur aus der Unterlauge herausgezogen, sondern teilweise dem Fett schon vor der Verseifung entzogen. Man spaltet dazu das Fett in Fettsäure und Glyzerin. Das rohe Glyzerin wird an eine Hamburger Firma verkauft. Die Fettsäure wird der Siederei zugeleitet.

Du kannst selbst Seife herstellen:

  1. Löse 5 g Ätznatron in 50 ccm Wasser, schmelze 20 g Rindertalg in einem Emailletiegel und gib die Lösung dazu! Koche die Masse 15-20 Minuten, lasse erkalten! - Es entsteht feste Seife, die Kern- oder Natronseife.
  2. Wenn man 5 g Ätzkali nimmt, muss man dem Rindertalg zunächst die Hälfte der Lösung zusetzen. Unter Umrühren kocht man längere Zeit und setzt nach und nach die andere Hälfte der Kalilauge zu. Man kocht so lange, bis die Masse ein leimähnliches Aussehen hat. Erkalten lassen! - Oben bildet sich eine dicke Masse (Schmierseife); darunter befindet sich eine ölige Flüssigkeit (Glyzerin; Glyzerin heißt "süßes Öl". Schmecke!).

Pilliermaschine und Strangpresse

Arbeitsschutz

An den Stanzmaschinen der Seifenfabrik befinden sich in Schulterhöhe zwei eiserne Hebel. Diese haben eigentlich für die Bedienung der Maschine keinen Zweck. Sie haben eine andere ganz wichtige Aufgabe: Sie dienen zum Schutz der Arbeiterin. Der Stempel, der mit ungeheurer Wucht auf das Seifenschnittstück herniederfährt, kann erst dann ausgelöst werden, wenn beide Hände auf. den beiden erwähnten Hebeln ruhen. Nun sind die Hände weit fort von dem Seifenstück, und es kann kein Unheil mehr geschehen.

Unter Arbeitsschutz verstehen wir jene Vorrichtungen, die ein Arbeitgeber in seinem Betriebe anbringen muss, um den Arbeitnehmer jederzeit vor einem Unfall bei der Arbeit zu bewahren.

(Über die Entwicklung des Arbeitsrechtes kannst du nachlesen in "Miteinander - Füreinander" S. 98.)

Zölle

Zölle sind eine besondere Art von Steuern. Sie sind zu entrichten, wenn die Waren über die Ländergrenze befördert werden. Sie sind bei den verschiedenen Waren verschieden hoch.

Der Einfuhrzoll ist zuweilen ein Schutzzoll. Er soll helfen, die einheimische Industrie gegen allzu billige Konkurrenz aus dem Ausland zu schützen.

Sonst ist der Einfuhrzoll ein reiner Finanzzoll, der genau wie alle anderen Steuern eine Einnahmequelle des Staates ist.

Alle Fette, die bei der Seifenherstellung verwendet werden, sind zollfrei, um den Preis für die Seife niedrig halten zu können.

Das Zolltechnische Institut in Hamburg hat die Aufgabe, die Proben der angelieferten Fette mit den Angaben auf den Zollgut-Begleitscheinen zu vergleichen. Das jeweilige Heimatzollamt, also auch das Delmenhorster Zollamt, wacht darüber, dass die gelieferten Fette wirklich in vollem Umfange der Seifenherstellung zugeleitet werden. Deshalb findet man auf den Fabrikhöfen Zollbeamte in voller Uniform.

(Über Zölle findest du in "Miteinander - Füreinander" S. 121, 122 einiges.)


Zum Nachdenken

  1. Die Seifenfabrik gibt rund 100 Menschen ständig Arbeit.
    Stelle, wie bei der "Jute", Berechnungen über ihre Bedeutung für Delmenhorst an, wenn der Durchschnittslohn 1,30 DM pro Stunde beträgt!
  2. Die Seifenfabrik verarbeitet im Monat: 100000 bis 150000 kg Fette. 
    Es lassen sich daraus schöne Aufgaben entwickeln.

    a) Wie viel Fässer (200 kg) oder Kesselwagen (15 t) rollen täglich, monatlich, jährlich auf den Hof?
    Wie viel Frachtkosten entstehen?

    b) Die Seifenfabrik braucht Ätznatron. Es wird aus einer Fabrik in Rheinfelden bezogen und in Kesselwagen herbeigefahren.
    Auf 100 kg Fett braucht man 18 kg Ätznatron. Wie viel muss also monatlich bezogen werden? Das Ätznatron kommt meist nicht in festem Zustand, sondern als Lösung zu 45%iger Natronlauge. Wie viel Liter Natronlauge werden demnach im Monat verbraucht? Beachte: 55 % sind Wasser!

    c) Die Kernseife enthält rund 60 % Fett, die Toilettenseife 80 %, 150000 kg Fett wurden verarbeitet. Die Herstellung richtet sich nach den Aufträgen, doch wird mehr Toilettenseife fabriziert. Setzen wir einmal dieses Herstellungsverhältnis von Kernseife zur Toilettenseife wie 1:3 - vom Seifenpulver wollen wir absehen - wie viel kg Kernseife bzw. Toilettenseife werden verschickt? Wie viel Kartons sind nötig, wenn das Stück 150 g wiegt und je 1 Dutzend zusammengepackt wird?

StrangpresseAn der Stanze

Zur Geschichte der Seife

"Seife" ist ein germanisches Wort und bedeutet wohl ursprünglich "das Tröpfelnde". Deshalb kann man annehmen, dass die Seife eine germanische Erfindung ist.

Seifenähnliche Erzeugnisse gab es schon im Altertum. Die richtige Seife übernahmen die Römer von den Galliern, die sie ihrerseits von den Germanen kennen gelernt hatten.

Die ersten Seifensieder gab es im 9. Jahrhundert in Marseille, dann in Genua und bald am ganzen Mittelmeer. Damals wurde Olivenöl verarbeitet.

Der französische Chemiker und Arzt Nikolas Leblanc 1742-1806 erfand ein Verfahren, wie man künstliche Soda herstellen kann. Nun erst war es möglich, Seife in weit größerem Umfange herzustellen, vor allem war der Weg für eine industrielle Seifenherstellung damit freigemacht. Ab 1850 nahm diese einen mächtigen Aufschwung.

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